Visualisieren UND verstehen

Oft sehe ich Beispiele von Visualisierungen, die zwar total schön aussehen, aber eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema ist nicht unbedingt spürbar. Wie man dies anleiten könnte, zeigen Bettina und Martin Hirsch in ihrem Buch „Visual Summary im Unterricht – Strukturierend denken und Lernstoff verinnerlichen“.

Die Methode wurde am Humboldt Gymnasium in Vaterstetten und der ESBZ in Berlin getestet und von der Parmenides Stiftung in München wissenschaftlich begleitet. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt „durch geeignete Methoden das Denken zu stärken und zu unterstützen“.

Was mir besonders gefällt an der Methode ist, dass sie einerseits sehr viel kreativen Freiraum lässt, dass sie jedoch durch eine klare Strukturierung eine intensive und auch tiefe Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand ermöglicht.

Ein visual Summary ist  so aufgebaut, dass es drei Ebenen gibt:

  1. Überblick: Worum geht es? Was ist der Titel? Kurze Überblicks-Infoblöcke
  2. Vertiefung der Infoblöcke, vor allem mit Visualisierungen
  3. Details der Infoblöcke werden aufgelistet, dies dann meist verbal und nicht mehr so stark visuell.

Bevor man mit dem „Lernplakat“ beginnt, überlegt sich der/die Lernende, wie er/sie das Plakat einteilen möchte, ob es eine sinnvolle Gesamtvisualisierung gibt etc. Die drei Ebenen sind meist farblich abgehoben. Das Buch bietet zudem eine kurze Einführung in die Bildsprache. Wie kann man den Blick fangen, lenken, wie Bezüge schaffen, Typographie und Farben nutzen sowie die Anordnung planen? Ist es ein Kreislauf, eine Steigerung, ein Ablauf, eine Dialektik oder einfach ein Fokus? Mit vielen Beispielen von Lernenden werden die theoretischen Ausführungen visualisiert.

Auch wenn ich nicht unbedingt eine Freundin bin von Noten, so sind sie leider an vielen Schulen noch eine Notwendigkeit. Deshalb gibt es im Buch auch Bewertungsvorschläge/-kriterien. Klar gibt es da eine gewisse Subjektivität, aber das ist ja eines der Grundprobleme von Noten überhaupt.

Was ich als sehr schade empfinde ist, dass die Lernenden alle Plakate rein analog erstellen. Ich könnte mir sehr gut auch digitale Varianten vorstellen oder eine Verschränkung von digital und analog. Man könnte zum Beispiel nur Ebene 1 und 2 auf dem Plakat visualisieren und Ebene 3 mittels Vertagung (z.B. mit Thinglink) hinzufügen. Digitale Medien ermöglichen auch noch mehr unterschiedliche Medien. Die Lernenden könnten zum Beispiel einen Film einbinden, ein Erklärvideo, einen Podcast, den sie zum Thema erstellt haben, eine Webseite, ein Quiz…

Visual Summary im Unterricht, Martin Hirsch, Bettina Hirsch, Parmenides Foundation 2018, ISBN 9781542988179

 

 

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